
Kreisler
stammte aus einer jüdischen Familie und war der Sohn eines Arztes, von dem
er im Alter von vier Jahren den ersten Violinunterricht erhielt. 1882 wurde er
ans Wiener Konservatorium aufgenommen und von Josef Hellmesberger junior (Violine)
und Anton Bruckner (Musiktheorie) unterrichtet. Von 1885 bis 1887 studierte er
am Pariser Konservatorium, von seinen dortigen Lehrern sind insbesondere Lambert
Joseph Massart (Geigenunterricht) und Léo Delibes (Komposition) sowie Jules
Massenet zu nennen. 1887 gewann er die höchste Auszeichnung des Pariser Konservatoriums,
den Premier Prix, im Alter von nur 12 Jahren.
Mit
dem Pianisten Moriz Rosenthal trat er 1888/89 seine erste Konzerttour durch die
USA an. Nach seiner Rückkehr bewarb er sich bei den Wiener Philharmonikern,
wurde jedoch abgelehnt. Er hörte auf zu musizieren und begann erst Medizin
und dann Malerei zu studieren und verbrachte eine kurze Zeit in der Armee. 1896
fing er wieder mit dem Violinspiel an und debütierte 1898 in Wien, bevor
er 1899 bei den Berliner Philharmonikern unter dem Dirigenten Arthur Nikisch ein
Konzert gab. Dieses Konzert und eine Reihe von Tourneen in Amerika, in den Jahren
1901 bis 1903, brachten ihm wahre Beifallsstürme ein. Bei der Überfahrt
an Bord der Fürst Bismarck im Mai 1901 lernt er die Brooklyner Tabakhändlerstochter
Harriet Lies kennen, die er vor dem Friedensrichter in New York City sowie in
der Österreichischen Botschaft in London heiratet. 1947 folgte dann auch
noch eine kirchliche Trauung in der katholischen Pfarrei von New Rochelle. Seine
Frau war schließlich auch seine Managerin und hatte damit alle Hände
voll zu tun, da er in manchen Jahren 250 Konzerte und mehr absolvierte.